Hochschule Wismar, Fachkräfte und Innovation – Frage an Tilo Gundlack
Hochschule, Fachkräfte und Innovation: Wie nutzt Wismar seine Chancen?
Die Hochschule Wismar investiert in moderne Forschung und Lehre. Gleichzeitig wächst der Fachkräftebedarf in Industrie, Wirtschaft und öffentlicher Infrastruktur.
Welche Rolle soll das Land dabei spielen, Hochschule, Werft, Hafen und regionale Unternehmen stärker zu vernetzen und Fachkräfte langfristig in Wismar zu halten?
Die Hochschule ist ein Standortfaktor
Eine Hochschule verändert eine Stadt. Sie bringt junge Menschen nach Wismar, schafft qualifizierte Arbeitsplätze, ermöglicht Forschung und bildet Fachkräfte aus. Für Unternehmen kann sie ein Partner bei Innovation, Entwicklung und Wissenstransfer sein. Gerade in einer Stadt mit wachsendem industriellem Bedarf an technischen Qualifikationen gewinnt diese Funktion zusätzlich an Bedeutung.
2026 hat an der Hochschule Wismar ein großes Bauprojekt begonnen. Für den Fachbereich Maschinenbau, Verfahrens- und Umwelttechnik entsteht ein neues Laborgebäude. Forschung und Lehre, die bislang auf mehrere Standorte verteilt sind, sollen künftig am zentralen Campus gebündelt werden.
Für das neue Laborgebäude werden Baukosten von rund 50,2 Millionen Euro genannt. Geplant sind unter anderem spezialisierte Labore für Spritzguss sowie Energie- und Antriebstechnik, Seminarräume, Büroflächen und ein PC-Pool. Finanziert wird das Projekt aus Bundesmitteln und EFRE-Mitteln.
Fachkräfte werden zur strategischen Frage
Die wirtschaftliche Entwicklung Wismars verstärkt den Bedarf an qualifizierten Beschäftigten. Der Aufbau des TKMS-Standortes ist dafür das sichtbarste Beispiel. Wenn dort perspektivisch deutlich mehr Menschen arbeiten, werden technische Fachkräfte, Ingenieurinnen und Ingenieure, Produktionspersonal und zahlreiche weitere Berufsgruppen benötigt.
Gleichzeitig konkurrieren Unternehmen und Regionen deutschlandweit um Fachkräfte. Gute Arbeitsplätze allein reichen deshalb nicht immer aus. Menschen entscheiden auch nach Wohnraum, Familienfreundlichkeit, Kultur, Verkehrsanbindung, Bildung und Lebensqualität. Fachkräftesicherung ist dadurch eine Querschnittsaufgabe für die gesamte Stadtentwicklung.
Studieren in Wismar – bleiben in Wismar?
Für Wismar wäre es ein großer Vorteil, wenn Studierende nach ihrem Abschluss häufiger in der Region bleiben. Dafür müssen während des Studiums Kontakte zu Unternehmen entstehen. Praktika, Abschlussarbeiten, duale Modelle, Forschungskooperationen und gemeinsame Projekte können früh Verbindungen schaffen.
Die Aufgabe endet jedoch nicht mit dem Hochschulabschluss. Wer dauerhaft bleiben soll, braucht berufliche Perspektiven und ein attraktives Lebensumfeld. Bezahlbarer Wohnraum, gute Kinderbetreuung und eine lebendige Stadt spielen deshalb auch für wirtschaftliche Standortpolitik eine Rolle.
Forschung und regionale Wirtschaft verbinden
Das neue Laborgebäude schafft bessere Bedingungen für Forschung und Lehre. Die politische Frage lautet, wie dieses Potenzial möglichst stark auf die Region ausstrahlen kann. Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Unternehmen kann Innovation beschleunigen. Kleine und mittlere Betriebe profitieren dabei besonders von Hochschulen, weil sie häufig keine großen eigenen Forschungsabteilungen besitzen.
Im maritimen Umfeld sind Themen wie Energie- und Antriebstechnik besonders interessant. Gleichzeitig sollte die Hochschule nicht ausschließlich auf einen einzelnen Großarbeitgeber ausgerichtet werden. Eine breite Forschungs- und Unternehmenslandschaft macht einen Standort widerstandsfähiger.
Hochschulpolitik und Fachkräftesicherung wurden in den geprüften Kandidateninformationen nicht als eigenständige persönliche Schwerpunkte Tilo Gundlacks ausgewiesen. Das Thema wird deshalb aus der konkreten Entwicklung Wismars abgeleitet und ausdrücklich als politische Frage an ihn formuliert.
Auch berufliche Bildung gehört dazu
Fachkräftepolitik darf nicht ausschließlich akademische Ausbildung meinen. Industrie, Hafen, Handwerk und Dienstleistungsunternehmen benötigen ebenso qualifizierte Facharbeiterinnen und Facharbeiter. Berufliche Schulen, Ausbildungsbetriebe und Weiterbildungsmöglichkeiten gehören deshalb ebenso in eine Fachkräftestrategie.
Gerade beim Ausbau industrieller Produktion kann eine frühzeitige Abstimmung darüber sinnvoll sein, welche Berufe in welchem Umfang benötigt werden. Ausbildung benötigt Vorlauf. Wer erst reagiert, wenn Fachkräfte fehlen, verliert Zeit.
Innovation braucht gute Rahmenbedingungen
Forschungsergebnisse werden nicht automatisch zu regionaler Wertschöpfung. Gründungsberatung, geeignete Gewerberäume, digitale Infrastruktur und Kontakte zu Kapitalgebern können helfen, Ideen in Unternehmen zu überführen. Hochschulen können damit auch Ausgangspunkt für neue Firmen und zusätzliche Arbeitsplätze sein.
Das Land Mecklenburg-Vorpommern kann über Hochschulfinanzierung, Forschungsförderung, Wirtschaftsförderung und Infrastruktur Einfluss nehmen. Für Wismar stellt sich deshalb die Frage, wie diese Instrumente gezielt miteinander verbunden werden können.
Eine Chance für die gesamte Stadt
Die Kombination aus Hochschule, wachsender Werft, Seehafen und mittelständischer Wirtschaft ist eine besondere Stärke Wismars. Wenn diese Bereiche stärker zusammenarbeiten, kann daraus ein regionales Innovationsnetzwerk entstehen. Gleichzeitig sollte die Entwicklung offen für weitere Branchen bleiben.
Für junge Menschen wäre eine klare Kette besonders attraktiv: Ausbildung oder Studium in Wismar, Praktika in regionalen Unternehmen, guter Berufseinstieg und anschließend die Möglichkeit, in der Stadt zu wohnen und eine Familie aufzubauen. Politik kann diese Kette nicht vollständig organisieren, aber sie kann Hindernisse abbauen und gute Rahmenbedingungen schaffen.
Wie möchte er auf Landesebene dazu beitragen, dass die Investitionen in die Hochschule Wismar stärker mit Fachkräftesicherung, Forschung, regionaler Wirtschaft und den Chancen des wachsenden Industriestandortes verbunden werden?
FAQ
Was wird an der Hochschule Wismar gebaut?
Ein neues Laborgebäude für den Fachbereich Maschinenbau, Verfahrens- und Umwelttechnik mit spezialisierten Laboren sowie Lehr- und Arbeitsräumen.
Wie hoch sind die genannten Baukosten?
Die Landesregierung nennt rund 50,2 Millionen Euro.
Ist Hochschule ein belegter Schwerpunkt Tilo Gundlacks?
In den geprüften Kandidatenangaben nicht als eigener Schwerpunkt. Deshalb wird das Thema als regionale Zukunftsfrage behandelt.

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